Mittwoch, 27. Juli 2016

Der Pantoffelzyklop

Er ist, so gesagt, schon ein großer Gesell
wie all seine Brüder, die wenige sind.
Verstreut wohnen alle, verweht wie vom Wind.
Ein jeder trägt Umhang aus flauschigem Fell.

Fürwahr keine Schönheit, in seinem Gesicht
entblößt dir die Stirne: Er hat nur ein Auge.
Dafür ist er höflich, geschickt und auch schlau.
Gelegentlich schreibt er ein kleines Gedicht.

Wenn einmal im Sommer der Riesentag jährt,
sind alle zusammen. Ist das eine Feier!
Dann singen sie laut, einer spielt auf der Leier.
Für einen Tag - jeder des andern Gefährt'.

Doch jeder Tag endet und in jede Richtung
entschwinden Gestalten. Sie ziehen nach Haus.
Es bleibt kein Bedauern, die Party ist aus,
und unser Kerl widmet sich wieder der Dichtung.

Er hat ein Talent, für das alle in lieben,
denn er backt gern Torten und schmückt sie auch aus.
Die Esser verehren ihn, spenden Applaus.
Er schneidet acht Stücke, die Gäste sind sieben.

Bescheiden geblieben, kocht Kohl mit Kartoffeln,
er strebt nicht nach Ansehen, Macht oder Geld.
Das glotzende Volk zieht ihn nicht in die Welt.
Es sitzt der Zyklop gern daheim in Pantoffeln.

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