Mittwoch, 24. Mai 2017

Ich bin am Zug

Stehe morgens an der Bahn und warte auf den Zug.
Konzentriert bedenke ich die Worte „Lug und Trug“.
Etwas weiter seh ich einen Mann die Treppe gehn.
Er ist oben angekommen, bleibt dort kurz noch stehn.

Irgendwie erscheint es mir, als schaue er mich an.
Was der Typ wohl von mir will? Ob ich ihm helfen kann?
Nee, wohl Quatsch! Ich denke weiter über Falschheit nach,
über Neid und Missgunst, kurz: Was stets dem Mensch gebrach.

Wieder seh ich rüber. Dieser Typ kommt auf mich zu.
Struwwelig die Haare, neongelb sind seine Schuh.
Langsam wende ich mich ab, denk wieder vor mich hin.
Kann mich kaum erinnern, wo ich stehngeblieben bin.

„Woran fehlt es wohl den Menschen, dass sie stets mit Neid …?“
Er kommt immer näher. Echt mal! Jetzt bin ich es leid.
„Lass mich bloß in Ruhe, sonst verpass ich dir ’nen Kick!“
denk ich, höre Schritte, fühl im Nacken seinen Blick.

Gleich sagt er „Hau ab, du Arsch!“, „Verpiss dich!“ oder so.
Verblüfft hör ich stattdessen ein sehr freundliches „Hallo!“

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