Sonntag, 10. Dezember 2017

Unglaubliche Ermittlungspanne im Fall Salbei Samsi

Chaos-Ermittler übersehen Anschlagswaffe bei Durchsuchung. Eine aufmerksame Küchenhilfe kann schlimmeres verhindern.


Wie erst jetzt bekannt wurde, kam es bereits vor geraumer Zeit zu einer eklatanten Panne bei den Ermittlungen gegen den terrorverdächtigen Samsi. Die zuständigen Beamten des LKA übersahen bei der Durchsuchung eines Heubodens eine verfahrensrelevante Stecknadel.
Wie uns aus gut unterrichteten Polizeikreisen zugetragen wurde, waren dem Einsatzleiter eigens für diese Maßnahme 2 (in Worten: zwei) neue Angestellte zugeordnet worden, die in einer umfangreichen Beschulung im Rahmen eines 24-stündigen Intensivseminars auf ihre gänzlich neue Aufgabe außerordentlich gut vorbereitet wurden.

Das Innenministerium gab auf Nachfrage auch Einblick in die umfassende Vorbereitung für diese spezifische Aufgabe. So standen neben einer Einweisung in die Geschichte der Stecknadeln (12 Std.) und die Arten- und Typenkunde (6 Std.) vor allem die wichtigen Fächer „Unterscheidungsmöglichkeiten zwischen Nadeln, Nägeln und Gras“ (3 Std.) und die „Dokumentation von Nadelfunden in diversen polizeilichen Eingabe- und Auskunftssystemen“ (4 Std.) auf dem Programm. Von Seiten der 3 (in Worten: drei) beteiligten Polizeifortbildungseinrichtung kam darüber hinaus noch der Hinweis, dass auch die Pausen zwischen den Unterrichtsblöcken sinnvoll ausgenutzt wurden. So hatte man etwa in fachpraktischen Übungen den Umgang mit der modernen technischen Ausstattung zur Suchunterstützung erörtert.

Das zweiköpfige Durchsuchungsteam hatte für den gerade mal 5.000qm großen Heuboden – das entspricht nicht einmal einem halben Fußballfeld – über drei Stunden zeit. Trotz der Unterstützung durch modernste Technik, es kamen 17 (in Worten: siebzehn) frisch magnetisierte Kompassnadel mit hoher Präzisions zum Einsatz, wurde die gesuchte Stecknadel nicht gefunden. Diese war nun, offenbar durch einen Spalt im Boden, in dem darunter liegenden Raum einem in Sitzung befindlichen Politiker in die gefüllte Teetasse gefallen und wäre beinahe von diesem verschluckt worden. Nur durch einen Zufall ist der perfide Plan des Terroristen Samsi noch kurz vor seiner Verwirklichung aufgeflogen. Bei der Sitzung handelte es sich um das letzte Arbeitstreffen des Innenausschusses vor dem Urlaub. Dieses fiel angesichts der Reiselust unter den Teilnehmern ungewohnt kurz aus. Nach drei Wochen war ein Rest Tee (es handelte sich übrigens um einen ausgezeichnet abgerundeten aromatisierten Schwarztee der Geschmacksrichtung Earl Grey, den die Firma „Teetässchen“ seit Anfang dieses Jahres unter dem Handelsnamen „BrainBooster“ vertreibt und für den sie bereits zwei Preise des internationalen Teekonsortiums erhielt, siehe hierzu Bestelllink im Infokasten auf Seite 17) ) in der Tasse kalt geworden und wurde beim Abräumen durch eine Servicekraft mit der enthaltenen Anschlagswaffe in die Küche gebracht. Hier hat glücklicherweise niemand versucht, von dem tödlichen Tee zu trinken. Stattdessen fiel einer Küchenhilfe beim Ausleeren der Tasse über dem Spülbecken die Terrornadel auf. Dank der beinahe täglichen Terrorübung für die Mitarbeiter und der ständig begleitend laufenden Sensibilisierung hat die aufmerksame Küchenhilfe sofort einen Zusammenhang herstellen können und sicherheitshalber die zuständigen Stellen informiert. So konnte der Anschlagsplan letztlich vereitelt und Schlimmeres verhindert werden.

Innenminister Rührig räumte in einem ersten Interview gravierende Fehler bei der Spurensuche ein. Nicht nur, dass die Suche offenbar trotz ausreichender Zeit und mustergültiger technischer und personeller Ausstattung in einer Art ausgeführt wurde, die er nur als „unmotiviert“ und „schlampig“ bezeichnen könne. Auch haben die Ermittler augenscheinlich entgegen der bestehenden Erlassvorgabe so viel Erschütterungen verursacht, dass das Durchrutschen der Nadel durch die Bodenritze überhaupt möglich war. „Mir ist unerklärlich, warum die ‚Vorgaben zur Vermeidung von Bodenkontakt bei seismologisch sensiblen Arealen‘ (die sog. VzVvBbssA, Anm. d. Red.) so wenig Beachtung finden konnten“, so der Minister. Er werde eine schnellstmögliche, lückenlose Aufklärung dieser unhaltbaren Zustände von seinen nachgeordneten Stellen einfordern.

Erklärungen der Ermittlungskommission, dass der rostige Zustand der Nadel das Auffinden mittels Magnet möglicherweise erschwert habe, ließ der Innenminister nicht gelten. „Wir haben die verantwortlichen Ermittler für viel Geld mit der allerneusten Technik ausgestattet. Wir haben einen schlüssigen Personalansatz vorgegeben und sogar weitere Mitarbeiter eingestellt. Da erwarte ich dann aber auch Ergebnisse.“

Ein O-Ton des betroffenen Politikers aus dem Innenausschuss war nicht zu erlangen. Der stark emotional mitgenommene und inzwischen in psychologischer Betreuung befindliche Mann ließ über seinen Rechtsanwalt verlauten, dass er Gott für dieses unglaubliche Glück danke. Für ihn sei es wie eine zweite Geburt. Der Anwalt fügte noch hinzu: „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Sitzung nur länger gedauert hätte. Dieses Mordinstrument wäre vermutlich noch in Anwesenheit meines Mandanten in der Tasse gelandet und er hätte sich schlimmste Verletzungen im Mundraum bis hin zum Tode zuziehen können. Wir prüfen auf jeden Fall mögliche Schadensersatzklagen, auch gegen die unfähigen Beamten, die diesen Beinahe-Erfolg überhaupt erst möglich gemacht haben.“

Anfragen des Rechercheteams (bestehend aus Mitarbeitern von NDR, WDR, ARD, SFB, RTDeutschland, CNN, NYT und des Pfälzer Morgenkuriers) an das Ermittlerteam beim LKA wurden lapidar mit dem Hinweis abgewiesen, dass zu laufenden Verfahren keine Auskünfte gegeben werden können. Außerdem seien die beiden betreffenden Mitarbeiterinnen bereits unmittelbar nach der Durchsuchung für andere Aufgaben eingesetzt worden. Die eine ist demnach im Bereich der statistischen Erfassung von „Anfragen aus Reihen der Bevölkerung an die Top-10-Suchmaschinen im Internet zu möglicherweise nadelrelevanten Themen“ unabkömmlich. Unbestätigte aber wahrscheinlich korrekte Informationen aus dem näheren Umfeld der Pannenermittler legen den Verdacht nahe, dass die andere in Elternzeit gegangen sein könnte, um einer Erkennung auf Dienstunfähigkeit wegen Burnouts zuvor zu kommen.

In den sozialen Netzen wurde die Stimmung nach anfänglichen Eskalationen mittlerweile wieder bedeutend sachlicher. Es besteht ein großer Konsens in der Netzgemeinde, dass man die „blöden Bullen“, die „sowas verbockt haben“, „aufknüpfen“ solle. Schließlich muss man Hass und Terror entschieden und mit allen Mitteln entgegen treten und das Übel bereits an der Wurzel ausreißen.


Quelle: Pfälzer Morgenkurier, Abendausgabe vom 27. Doovember 2017

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